Historie von Les Conseillans / La Suite aux Conseillans
Die Geschichte des heutigen Weinguts La Suite aux Conseillans reicht mehrere Jahrhunderte zurück und spiegelt zugleich die Entwicklung der Region Bordeaux, ihre Krisen und ihren Aufbruch in die Moderne. Manche Quellen datieren die ersten landwirtschaftlichen Nutzungen der Flächen sogar bis ins 17. Jahrhundert zurück. Auf der berühmten Carte de Belleyme (1760–1775) sind die Ländereien Panissaut und La Lande bereits eingezeichnet – ein kartographischer Beleg für die frühe Existenz des Anwesens.
Die Anfänge im 18. Jahrhundert
Die ältesten urkundlichen Spuren führen in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts.
1738 erwarb der Bordeaux-Bürger Pierre Daban-Broca das Gut Panissaut von André Chassériau. 1749 kaufte er zusätzlich die benachbarte Métairie de la Lande von Antoine Croizier. 1750 zog ein Mitglied der Familie Gérard Daniel, Seigneur de Lamothe et Manocq, durch ein retrait lignager das Gut kurzzeitig wieder an sich – ein Vorgang, der zeigt, welchen Wert man dem Besitz schon damals beimaß. 1751 gelangte La Lande erneut an Daban-Broca, womit Panissaut und La Lande wieder vereint waren – ein Besitz, der im Kern bis heute dieselben Grenzen bewahrt.
Von Weinbau ist in den frühen Akten kaum die Rede; Historiker vermuten die ersten nennenswerten Pflanzungen zwischen 1751 und 1778. Pierre Daban-Broca war vermutlich als procureur général an der Cour de Bordeaux tätig – ein Hinweis auf seine Stellung in der bürgerlichen Elite der Stadt.
Von Panissot zu Aux Conseillans – Namensentwicklung
Bis ins 19. Jahrhundert wurde das Gut in der Überlieferung traditionell Panissot (auch Panissaut oder Panissant) genannt. So erscheint es etwa in Heiratseinträgen der Familie Suduiraut noch unter diesem Namen. Gleichzeitig führte die Verwaltung seit dem napoleonischen Kataster von 1813 bereits die Bezeichnung Domaine de Conseillans (Section A1, parcelle 116).
Beide Namen bestanden eine Zeitlang nebeneinander: „Panissot“ im Sprachgebrauch der Eigentümer, „Conseillans“ in den amtlichen Registern. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich der heutige Name „Conseillans“ endgültig durch – parallel zur Professionalisierung des Weinbaus und zur wachsenden Bedeutung des Anwesens.
Der Übergang ins 19. Jahrhundert
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm das Anwesen die Gestalt an, die bis heute prägend ist.
Um 1803 begann Jacques Daban-Broca, Sohn von Pierre, mit dem Bau des heutigen Herrenhauses. Das Château wurde im Stil des Directoire errichtet, die Steine stammten aus Frontenac. Archäologische Spuren deuten darauf hin, dass das „neue“ Schloss nicht auf jungfräulichem Grund entstand, sondern auf den Ruinen eines älteren Hauses, von dem insbesondere das historische Treppenhaus bis heute erhalten ist. Damit reicht die bauliche Geschichte des Ortes noch weiter zurück, als die schriftlichen Aufzeichnungen es vermuten lassen.
1808 wird in einem Kaufvertrag erstmals das „domaine de Panissant“ mit Weinberg, Kelterhaus und Vatroom erwähnt – damit liegt die juristische „Geburtsurkunde“ des Gutes als echtes Weingut vor. Im napoleonischen Kataster von 1813 erscheint es bereits als Domaine de Conseillans.
Eigentümerfolgen und Krisen im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert wechselte das Gut mehrfach den Besitzer: zunächst an die Familie Gabet, dann an die Familie Montero, bevor es 1897 von der Familie Guillot de Suduiraut übernommen wurde. Diese war bereits durch Château Suduiraut in Sauternes mit dem Bordelaiser Weinbau eng verbunden.
Die Größe der Domaine schwankte erheblich:
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1872 umfasste sie rund 47 ha,
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1896, nach der verheerenden Reblauskrise, waren nur noch 2,5 ha Reben übrig.
Diese dramatische Schrumpfung zeigt exemplarisch, wie hart die Reblaus Bordeaux traf.
Jean Ribéreau-Gayon und der Aufbruch in die Moderne
1937 wird die Gesamtfläche noch mit 6,6 ha angegeben, davon weniger als 0,1 ha Reben. 1938 erwarb der renommierte Önologe Jean Ribéreau-Gayon das Anwesen. Hier richtete er seinen Versuchskeller und ein Labor ein. Er gilt als Vater der modernen Önologie – viele heute selbstverständliche Verfahren wurden in Conseillans erprobt und weiterentwickelt. Damit wurde das Gut zu einem Ort wissenschaftlicher Pionierarbeit.
Schutz und Wandel im 20. Jahrhundert
1975 wurde das Anwesen als „site classé“ unter Schutz gestellt – ein seltenes Prädikat, das seine landschaftliche und ökologische Bedeutung anerkennt. In den späten 1970er Jahren übernahmen Serge und Sylvia Ruiz das Gut, die es mit Leidenschaft führten; besonders der Jahrgang 2005 erregte Aufmerksamkeit und zeigte das Potenzial des Terroirs.
Neuzeit: Wiederbelebung und Erweiterung
2011 kauften Bruce Jackson und Irina Krasovskaya das Château. Sie investierten umfassend in die Renovierung des Schlosses, in die Erneuerung der Weinberge und in moderne Kellertechnik. Heute umfasst die Domaine rund 20 Hektar – ein harmonisches Mosaik aus Weinbergen, Wiesen und Wäldern – und führt ihre Geschichte als La Suite aux Conseillans fort.